Was ein Relaunch eigentlich ist – und was nicht
Ein Website-Relaunch bedeutet, dass die Seite technisch und meist auch gestalterisch von Grund auf neu aufgebaut wird. Das ist etwas anderes als eine Überarbeitung, bei der ich bestehende Inhalte auffrische, ein paar Texte tausche oder das Farbschema anpasse. Der Übergang ist fließend, aber die Frage dahinter ist immer dieselbe: Trägt das Fundament noch, oder saniere ich nur eine Fassade auf morschem Holz?
Ich sage bewusst nicht pauschal „Sie brauchen eine neue Seite". Viele Seiten lassen sich mit überschaubarem Aufwand deutlich verbessern. Ein Relaunch lohnt sich erst, wenn mehrere Baustellen zusammenkommen. Genau die schauen wir uns jetzt an.
Die ehrliche Checkliste: 4 Warnsignale
Gehen Sie die folgenden Punkte für Ihre eigene Seite durch. Je mehr davon zutreffen, desto eher spricht das für einen echten Relaunch statt einer Kosmetik.
1. Die Seite funktioniert auf dem Handy nicht sauber
Über 70 % der Besucher kommen heute vom Smartphone. Wenn Sie Ihre Seite am Handy öffnen und zoomen müssen, Buttons zu klein sind oder das Layout verrutscht, verlieren Sie einen Großteil Ihrer Interessenten, bevor sie überhaupt gelesen haben. Nicht responsive Seiten sind das häufigste Relaunch-Argument, das mir begegnet. Eine nachträglich „mobil-tauglich" geflickte Seite aus einem starren Baukasten von 2015 wird selten wirklich gut – hier ist ein Neuaufbau oft ehrlicher als endloses Nachbessern.
2. Die Ladezeit ist zu lang
Lädt Ihre Startseite spürbar länger als zwei bis drei Sekunden, springen viele Besucher ab. Ursachen sind meist riesige, unkomprimierte Bilder, veraltete Technik oder ein überladenes Theme mit Dutzenden Plugins. Manches davon lässt sich optimieren, ohne alles neu zu bauen. Steckt die Langsamkeit aber im Fundament, hilft nur ein Neustart. Wenn Sie das genauer prüfen wollen, habe ich das Thema in einem eigenen Beitrag und unter Performance-Marketing vertieft.
3. Es kommen keine oder kaum Anfragen
Das ist das ärgerlichste Signal, weil es direkt Geld kostet. Wenn Besucher kommen, aber niemand anruft oder das Formular ausfüllt, liegt es selten an der Optik allein. Oft fehlt eine klare Struktur, ein sichtbarer nächster Schritt oder schlicht Vertrauen. Warum das passiert und was hilft, habe ich ausführlich unter Warum Ihre Website keine Anfragen bringt beschrieben.
4. Die Seite wirkt veraltet
Design altert. Was 2016 modern aussah, wirkt heute schnell wie aus der Zeit gefallen – und Besucher übertragen diesen Eindruck unbewusst auf Ihre Arbeit. Gerade bei Ärzten, Kanzleien oder Handwerksbetrieben zählt der erste Eindruck. Wenn Ihre Seite den nicht mehr trägt, ist das ein legitimer Grund, über einen Relaunch nachzudenken.
- Ein bis zwei Punkte treffen zu: Meist reicht eine gezielte Überarbeitung.
- Drei oder vier Punkte treffen zu: Ein Relaunch ist in der Regel die wirtschaftlichere Entscheidung, weil Flickwerk auf altem Fundament teurer wird als ein sauberer Neuanfang.
Relaunch oder Überarbeitung – wie ich das abgrenze
Die Kostenfrage entscheidet sich an diesem Punkt, deshalb gehe ich sie nicht überstürzt an. Grob halte ich mich an folgende Faustregel:
- Überarbeitung genügt, wenn die Technik im Kern gesund ist, die Seite mobil sauber läuft und Sie „nur" frische Texte, neue Bilder oder ein moderneres Erscheinungsbild brauchen.
- Ein Relaunch ist sinnvoll, wenn die Basis nicht mehr trägt: veraltetes System, keine Mobil-Tauglichkeit, unzumutbare Ladezeiten oder eine Struktur, die sich nicht mehr sinnvoll erweitern lässt.
Was ein solches Projekt ungefähr kostet und wovon der Preis abhängt, habe ich in Was kostet eine Website transparent aufgeschlüsselt. Und wenn Sie mögen, sehe ich mir Ihre bestehende Seite persönlich an – dafür gibt es meinen kostenlosen Website-Check.
So handhabe ich es: Bevor ich jemandem zu einem Relaunch rate, schaue ich mir die bestehende Seite ehrlich an. Wenn eine Überarbeitung ausreicht, sage ich das auch – ich verkaufe niemandem einen Neubau, den er nicht braucht. Ich bin Jarne Zynda, Solo-Webdesigner aus Burscheid im Bergischen Land, und arbeite vor allem mit Ärzten, Kanzleien, Maklern und Handwerksbetrieben in der Region.
Der wunde Punkt: SEO beim Relaunch nicht verlieren
Das ist der Fehler, der mir am häufigsten begegnet, wenn jemand nach einem misslungenen Relaunch zu mir kommt: Die neue Seite sieht schön aus – aber die Sichtbarkeit bei Google ist eingebrochen. Das passiert, wenn beim Neubau die gewachsene Suchmaschinen-Grundlage ignoriert wird.
Ich kann und will Ihnen keine bestimmte Google-Platzierung versprechen – das kann seriös niemand. Aber ich kann verhindern, dass Sie mühsam aufgebaute Rankings durch einen unsauberen Umzug verschenken. Worauf ich beim Relaunch achte:
- Alte Adressen umleiten: Jede bestehende URL, die ihre Adresse ändert, bekommt eine 301-Weiterleitung auf die passende neue Seite. Sonst laufen Besucher und Google in Fehlerseiten.
- Inhalte übernehmen, nicht wegwerfen: Texte, die bereits gefunden werden, werden bewusst übertragen und verbessert – nicht ersatzlos gelöscht.
- Seitenstruktur und Titel erhalten: Bewährte Seitentitel und Überschriften behalte ich, wo sie sinnvoll sind, statt alles blind neu zu benennen.
- Technik prüfen: Sitemap einreichen, Indexierung im Blick behalten, kein versehentliches „noindex" auf der Live-Seite vergessen.
Wenn dieser Teil sauber läuft, ist der kurzfristige Wackler nach dem Umzug meist klein und die Seite erholt sich schnell. Mehr dazu unter SEO und Webdesign.
Was je nach Branche zusätzlich zählt
Die Grundlogik ist überall gleich, ein paar Feinheiten unterscheiden sich aber. Für Handwerksbetriebe zählt vor allem die schnelle, mobile Erreichbarkeit für spontane Anfragen. Makler profitieren von einer Seite, die Objekte und Vertrauen sauber präsentiert.
Bei Heilberufen wie Physiotherapie, Arzt- und Zahnarztpraxen halte ich mich bewusst an die Grenzen des Heilmittelwerberechts: keine Heilversprechen, keine erfundenen Werbeaussagen. Und für Kanzleien gilt: Eine gute Seite darf Mandate anbahnen, muss aber das anwaltliche Berufsrecht respektieren – „mehr Mandate garantiert" wäre schlicht unseriös.
Dieser Ratgeber ersetzt übrigens keine Rechtsberatung. Wenn es bei Ihrem Relaunch um konkrete berufsrechtliche oder wettbewerbsrechtliche Fragen geht, klären Sie diese im Zweifel mit einem Anwalt oder Ihrer Kammer.
