Ratgeber

Hotel-Website: mehr Direktbuchungen statt Portal-Provision

Buchungsportale bringen Gäste – und nehmen dafür bei jeder Buchung eine Provision. Die eigene Website ist der einzige Kanal, der komplett Ihnen gehört. In diesem Ratgeber ordne ich ein, was eine Hotel-Website leisten muss, damit Gäste direkt buchen: eine klare Buchungsstrecke, echte Fotos, ein gepflegtes Google-Profil und Bewertungen, die rechtlich sauber eingebunden sind.

Warum sich Direktbuchungen rechnen

Ich nenne bewusst keine Prozentzahl, denn die Provisionen der Portale unterscheiden sich je nach Vertrag, Sichtbarkeitspaket und Portal. Aber das Prinzip ist bei jedem Haus dasselbe: Bei jeder Portal-Buchung geht ein Teil des Zimmerpreises an einen Vermittler. Bei einer Direktbuchung bleibt dieser Teil bei Ihnen – bei jedem Aufenthalt, jedes Jahr, ohne dass Sie dafür mehr Betten machen müssen.

Dazu kommt etwas, das in der Rechnung oft fehlt: Bei der Direktbuchung gehört Ihnen der Gast. Sie haben die E-Mail-Adresse, Sie können vor der Anreise Wünsche abfragen, sich nach dem Aufenthalt bedanken und zur nächsten Saison einladen. Der Portal-Gast bleibt dagegen in erster Linie Kunde des Portals – die Plattform steuert die Kommunikation und schlägt ihm beim nächsten Mal auch gern Ihre Mitbewerber vor.

Realistisch bleiben sollte man trotzdem: Die Portale sind für die Reichweite da und für viele Häuser unverzichtbar. Das Ziel ist nicht der Ausstieg, sondern ein besserer Mix. Viele Gäste entdecken ein Haus auf dem Portal und suchen dann gezielt nach der eigenen Website – genau in diesem Moment entscheidet sich, ob die Buchung direkt bei Ihnen landet oder wieder beim Vermittler.

Die Buchungsstrecke: der kürzeste Weg zum Zimmer

Der häufigste Fehler, den ich auf Hotel-Websites sehe: Der Gast will buchen und findet keinen klaren Weg. Der Buchen-Button versteckt sich im Menü, das Anfrageformular fragt zwölf Dinge ab, oder es gibt nur eine Telefonnummer und die Bitte, „gern anzurufen“. Wer abends um elf auf dem Sofa das Wochenende plant, ruft nicht an – er bucht dort, wo es sofort geht. Notfalls beim Portal.

Worauf ich bei der Buchungsstrecke achte:

  • Ein sichtbarer Buchen-Button auf jeder Seite – nicht nur auf der Startseite. Der Gast entscheidet oft auf der Zimmerseite oder in der Fotogalerie.
  • Verfügbarkeit und Preis ohne Umwege. Ob eingebettetes Buchungssystem oder gut gebautes Anfrageformular: Der Gast muss schnell sehen, ob sein Termin frei ist und was er kostet.
  • Wenige Schritte, keine Pflicht-Registrierung. Jedes zusätzliche Formularfeld kostet Buchungen.
  • Mobil zuerst. Gebucht wird auf dem Handy. Wenn der Kalender dort nicht bedienbar ist, ist die Buchung weg.
  • Ein Direktbucher-Vorteil, den Sie halten können – etwa der späte Check-out oder das Getränk zur Ankunft. Wichtig: nur versprechen, was der Bestandsvertrag mit den Portalen erlaubt und was Ihr Team im Alltag einlöst.

Wenn die Website Besucher hat, aber keine Buchungen oder Anfragen kommen, liegt es fast immer an dieser Strecke. Die typischen Ursachen habe ich im Ratgeber Warum kommen keine Anfragen über meine Website? beschrieben – sie gelten für Hotels genauso wie für Praxen und Kanzleien.

Echte Fotos: Ihr stärkstes Argument

Ein Hotel verkauft ein Erlebnis, das man vor der Anreise nicht anfassen kann. Fotos sind deshalb keine Dekoration, sondern das Produkt selbst. Und hier gilt eine einfache Regel: Echt schlägt schön. Gäste haben ein feines Gespür dafür, ob sie das tatsächliche Zimmer sehen oder ein Stockfoto mit Orchidee. Wer vor Ort etwas anderes vorfindet als auf den Bildern, schreibt genau das in die Bewertung – und die liest dann jeder.

Was sich aus meiner Sicht lohnt:

  1. Jede Zimmerkategorie einzeln zeigen – bei Tageslicht, aufgeräumt, aber nicht steril inszeniert.
  2. Die Momente zeigen, für die Gäste kommen: das Frühstück, die Terrasse am Abend, die Umgebung. Menschen buchen Stimmung, nicht Quadratmeter.
  3. Ehrlichkeit bei den Schwächen. Ein kleines Bad wird durch ein Weitwinkel-Foto nicht größer, nur die Enttäuschung später umso sicherer.
  4. Einmal richtig fotografieren lassen. Ein Tag mit einem guten Fotografen trägt oft jahrelang – das ist eine der wenigen Investitionen, bei denen ich fast nie abrate.

So handhabe ich es: Bevor ich eine Hotel-Website baue, frage ich zuerst nach dem Bildmaterial – nicht nach dem Logo. Sind die Fotos schwach, empfehle ich, erst den Fotografen zu buchen und dann mich. Eine schöne Website mit schlechten Zimmerfotos ist wie ein renoviertes Restaurant mit schlechter Küche: Die Verpackung hält nicht, was zählt.

Google-Unternehmensprofil und lokale Sichtbarkeit

Viele Gäste suchen gar nicht auf dem Portal, sondern bei Google: nach „Hotel“ plus Ort, nach Ihrem Hausnamen oder direkt auf der Karte. Das Google-Unternehmensprofil ist dabei oft der erste Kontakt – noch vor der Website. Ein gepflegtes Profil mit korrekten Daten, aktuellen Fotos und beantworteten Bewertungen kostet nichts außer Sorgfalt und gehört zu den wirksamsten Maßnahmen überhaupt.

Wichtig ist, dass Profil und Website zusammenspielen: Der Website-Link im Profil sollte auf eine Seite führen, die sofort zur Buchung weiterleitet – nicht auf eine Startseite, auf der der Gast erst suchen muss. Die Grundlagen dazu, wie lokale Suche funktioniert und was Sie selbst pflegen können, habe ich im Ratgeber Lokale SEO – die Grundlagen zusammengefasst; wie ich das als Leistung angehe, steht unter SEO & lokale Sichtbarkeit.

Und die übliche ehrliche Einordnung: Einen bestimmten Platz in den Suchergebnissen kann Ihnen seriös niemand garantieren. Agenturen, die „Platz 1“ versprechen, verkaufen Zuversicht, keine Substanz. Seriös ist, die Voraussetzungen sauber zu schaffen – der Rest hängt von Wettbewerb und Lage ab.

Bewertungen rechtlich sauber einbinden

Bewertungen sind für Hotels Währung – und genau deshalb rechtlich reguliert. Ich bin kein Anwalt, und das hier ist keine Rechtsberatung; für den Einzelfall gehört das in fachkundige Hände. Ein paar Grundsätze, an denen ich mich beim Bauen orientiere:

  • Nur echte Bewertungen zeigen. Erfundene oder gekaufte Gästestimmen sind irreführende Werbung und damit abmahnbar – abgesehen davon, dass sie auffliegen.
  • Bei Werbeaussagen wie „Top bewertet“ belegen können, woher das kommt. Wer mit Bewertungen wirbt, muss zunehmend auch darlegen, dass sie von echten Kunden stammen.
  • Fremde Logos und Siegel nur nach deren Regeln nutzen. Portal-Widgets und Auszeichnungen haben Nutzungsbedingungen – einfach das Logo auf die Seite kopieren ist keine gute Idee.
  • Auf Kritik professionell antworten – im Portal und im Google-Profil. Eine souveräne Antwort auf eine schlechte Bewertung überzeugt Mitlesende oft mehr als zehn Fünf-Sterne-Stimmen.

Mehrsprachigkeit: Option, keine Pflicht

Ob sich eine englische oder niederländische Version lohnt, entscheidet nicht der Trend, sondern Ihr Gästebuch. Kommt ein spürbarer Teil Ihrer Gäste aus dem Ausland, ist eine gepflegte Zweitsprache sinnvoll – ordentlich übersetzt, mit korrekt ausgezeichneten Sprachversionen, damit Suchmaschinen sie zuordnen können. Wovon ich abrate: automatisch übersetzte Seiten, die niemand pflegt. Eine holprige Sprachversion wirkt nachlässiger als gar keine. Mein Rat ist, klein zu starten: erst die Buchungsstrecke und die wichtigsten Seiten in einer Zweitsprache, der Rest darf folgen.

Was eine Hotel-Website kostet, hängt stark davon ab, ob ein Buchungssystem angebunden wird und wie viele Zimmer und Sprachen dazukommen – eine ehrliche Orientierung gebe ich im Ratgeber Was kostet eine Website?. Wenn Sie wissen möchten, wo Ihre aktuelle Seite steht, werfe ich im kostenlosen Website-Check einen nüchternen Blick darauf. Ich bin Jarne Zynda, Solo-Webdesigner aus Burscheid im Bergischen Land – wie ich mit Hotels und Pensionen arbeite, lesen Sie auf der Branchenseite Websites für Hotels.

Häufige Fragen

Gut zu wissen.

Ihre Frage ist nicht dabei? Schreiben Sie mir einfach — ich antworte meist innerhalb von 24 Stunden.

In den meisten Fällen: nein. Die Portale bringen Reichweite, die ein einzelnes Haus allein kaum aufbaut. Das Ziel ist ein gesünderer Mix: Die Portale liefern den ersten Kontakt, und die eigene Website macht es Gästen leicht, direkt zu buchen – beim zweiten Aufenthalt am besten von Anfang an. Jede Direktbuchung spart die Provision und gehört Ihnen samt Gästekontakt.

Das hängt vom Haus ab. Ein kleines Haus mit wenigen Zimmern kann mit einem gut gebauten Anfrageformular sehr gut fahren, wenn zügig geantwortet wird. Wer viele Zimmer und wechselnde Raten hat, profitiert von einer Buchungsstrecke mit Verfügbarkeitsanzeige. Entscheidend ist, dass der Weg zur Buchung auf jeder Seite sichtbar ist und ohne Umwege funktioniert.

Ja, aber nur echte. Erfundene oder gekaufte Bewertungen sind irreführende Werbung und damit angreifbar. Wer mit Bewertungen wirbt, sollte auch darlegen können, dass sie von echten Gästen stammen. Fremde Plattform-Logos und -Siegel nur nach deren Regeln einbinden. Für den Einzelfall gilt: Das ist keine Rechtsberatung – im Zweifel fachkundig prüfen lassen.

Das hängt von Ihren Gästen ab, nicht vom Trend. Wenn ein spürbarer Teil Ihrer Gäste aus dem Ausland kommt, ist eine gepflegte englische Version sinnvoll – gut übersetzt, nicht automatisch generiert und vergessen. Eine schlecht gepflegte Sprachversion schadet mehr, als sie nützt. Ich empfehle, klein zu starten und nur Sprachen anzubieten, die Sie auch aktuell halten.

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