Warum es keine Pauschalantwort gibt
„Was kostet eine Website?" ist ungefähr so präzise wie „Was kostet ein Umbau?". Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, was die Website leisten soll. Eine kompakte Visitenkarten-Seite für einen Handwerksbetrieb ist ein anderes Projekt als eine Kanzlei-Website mit zwölf Rechtsgebieten oder eine Praxisseite mit Online-Terminanfrage und Anbindung an Ihr Terminsystem.
Drei Faktoren treiben den Umfang — und damit den Preis:
- Umfang: Wie viele Seiten und Themen? Eine Leistung oder zwanzig? Eine Sprache oder mehrere?
- Inhalte: Liegen Texte und Fotos vor, oder müssen sie erst entstehen? Guter Text ist oft der größte unsichtbare Posten.
- Anbindungen: Terminbuchung, Formulare, Karten, Bewertungen, Schnittstellen zu Systemen, die Sie schon nutzen — jede Anbindung ist Konzept- und Technikarbeit.
Wer Ihnen einen Preis nennt, bevor er diese drei Fragen gestellt hat, schätzt nicht Ihr Projekt — er nennt seinen Mindestumsatz.
Die drei typischen Wege — mit ehrlichen Vor- und Nachteilen
Weg 1: Baukasten, selbst gemacht
Baukasten-Systeme sind der günstigste Einstieg auf der Rechnung — und oft der teuerste in der Gesamtbetrachtung. Der Vorteil ist real: Sie behalten alles selbst in der Hand und starten schnell. Die versteckten Kosten sind es aber auch: Ihre eigene Arbeitszeit (Abende und Wochenenden, die Sie nicht Ihrem Betrieb widmen), laufende Abo-Gebühren, die sich über Jahre summieren, und ein Ergebnis, das häufig nach Vorlage aussieht — weil es eine ist. Dazu kommt: Texte, Suchmaschinen-Grundlagen und rechtliche Pflichtangaben nimmt Ihnen der Baukasten nicht ab.
Weg 2: Freelancer oder kleine Agentur
Das ist die Mitte — und nach meiner Erfahrung für Praxen, Kanzleien und Handwerksbetriebe meist der passendste Weg. Sie bekommen individuelle Arbeit, einen direkten Ansprechpartner und kurze Wege. Der ehrliche Nachteil: Die Qualität schwankt stark von Anbieter zu Anbieter. Achten Sie deshalb weniger auf den Preis als auf nachvollziehbare Referenzen, ein schriftliches Angebot mit klarem Leistungsumfang — und darauf, wem die fertige Website am Ende gehört.
Weg 3: Große Agentur
Große Agenturen liefern Prozesse, Teams und Kapazität — sinnvoll, wenn Sie ein großes Projekt mit vielen Beteiligten haben. Für einen lokalen Betrieb stehen dem zwei Dinge gegenüber: Sie zahlen die Struktur mit (Projektleitung, Abstimmungsrunden, Overhead), und Sie sind selten der wichtigste Kunde im Haus. Kleinere Anliegen nach dem Livegang können dann länger dauern, als Ihnen lieb ist.
Woraus sich der Preis wirklich zusammensetzt
Eine professionelle Website ist kein einzelnes Produkt, sondern ein Paket aus mehreren Gewerken. Wenn Sie Angebote vergleichen, prüfen Sie, welche dieser Posten enthalten sind:
- Konzept: Wer soll die Seite finden, was soll er dort tun? Struktur und Seitenaufbau entscheiden mehr über den Erfolg als jede Design-Spielerei.
- Text: Verständliche, auf Ihre Kunden oder Patienten zugeschnittene Texte — der am häufigsten unterschätzte Posten.
- Design: Ein individueller Auftritt, der zu Ihrem Betrieb passt, statt einer Vorlage mit ausgetauschtem Logo.
- Technik: Sauberer Code, schnelle Ladezeiten, Darstellung auf dem Smartphone, Formulare und Anbindungen.
- Rechtsbasics: Impressum, Datenschutzerklärung, datensparsame Einbindung externer Dienste — bei Heilberufen und Kanzleien mit besonderen Anforderungen.
- Pflege: Was passiert nach dem Livegang? Änderungen, Updates, Weiterentwicklung — entweder eingeplant oder später Überraschungsposten.
Fehlt einer dieser Punkte im Angebot, ist er nicht kostenlos — er taucht nur später auf: als Nachtrag, als Abo oder als Ihre eigene Arbeitszeit.
Warnsignale bei Billig-Angeboten
Es gibt seriöse günstige Angebote — und es gibt Konstruktionen, bei denen der niedrige Preis nur der Köder ist. Diese Muster sehe ich immer wieder:
- Lizenz-Fallen: Die Website läuft auf einem System des Anbieters, das Sie nicht mitnehmen können. Beim Anbieterwechsel fangen Sie bei null an.
- Keine Eigentümerschaft: Domain, Inhalte oder Design bleiben formal beim Anbieter. Prüfen Sie vor Vertragsschluss, was Ihnen nach Bezahlung tatsächlich gehört.
- Wartungs-Abos als Pflicht: Ein niedriger Einstiegspreis, gekoppelt an ein langlaufendes Monats-Abo, das die Ersparnis über die Laufzeit auffrisst — oft mit langer Kündigungsfrist.
- Schwammiger Leistungsumfang: Wenn nicht schriftlich festgehalten ist, was enthalten ist, werden Texte, Rechtstexte und Korrekturschleifen später zu Zusatzkosten.
So handhabe ich es: Bei mir gibt es nach dem kostenlosen Erstgespräch ein Festpreis-Angebot — Sie wissen vorher, was es kostet. Schriftlich, mit klarem Leistungsumfang, ohne Pflicht-Abo und ohne versteckte Zusatzkosten.
Fazit: Die richtige Frage ist nicht „Was kostet es?"
Die bessere Frage lautet: „Was bekomme ich für mein Geld — und was gehört mir danach?" Eine Website, die neue Anfragen bringt, Ihr Telefon entlastet und Ihnen gehört, ist eine Investition. Eine Website, die nur billig war, ist ein wiederkehrender Kostenpunkt ohne Wirkung. Vergleichen Sie deshalb nicht Preisschilder, sondern Leistungsumfänge — und lassen Sie sich jeden Posten erklären, den Sie nicht verstehen. Ein seriöser Anbieter tut das gern.
