Warum „Website kostenlos" selten wirklich kostenlos ist
Viele suchen zuerst nach einer kostenlosen Website — verständlich, gerade wenn man frisch selbstständig ist. Baukastensysteme werben mit einem Gratis-Tarif, und für einen allerersten Test ist das auch okay. Nur bleibt es selten dabei. Sobald Sie eine eigene Domain, Werbefreiheit, ein Kontaktformular ohne Fremdlogo oder etwas mehr Speicher wollen, landen Sie im Bezahltarif. Die Kosten verschieben sich also nur — vom Anfang in die laufende Monatsrechnung.
Der zweite, oft unterschätzte Posten ist Ihre Zeit. Einen Baukasten selbst zu befüllen, Texte zu schreiben, Bilder zu suchen, die Rechtstexte zusammenzustellen — das dauert. Wenn Ihre Arbeitsstunde einen Wert hat (und das hat sie), ist eine „kostenlose" Seite, an der Sie zwei Wochenenden sitzen, nicht gratis. Sie zahlen nur mit Zeit statt mit Geld.
Mein Punkt ist nicht, dass Baukästen schlecht sind. Sondern: Rechnen Sie ehrlich. Mehr zur reinen Preisfrage habe ich in Was kostet eine Website? gesammelt.
Realistische Preisrahmen — grob eingeordnet
Feste Eurobeträge zu nennen, die für jeden gelten, wäre unseriös — die Spanne am Markt ist riesig und hängt von Ihrem Bedarf ab. Trotzdem lässt sich der Markt grob in Kategorien einteilen, damit Sie ein Gefühl für die Größenordnungen bekommen:
- Selbst gebaut per Baukasten: geringe bis moderate monatliche Kosten, dafür Ihre eigene Arbeitszeit. Passt, wenn das Budget klein ist und die Ansprüche überschaubar sind.
- Vorlage/Template angepasst: jemand richtet Ihnen eine gekaufte Vorlage ein und füllt sie. Günstiger als eine individuelle Seite, aber Sie teilen sich den Look mit vielen anderen.
- Individuell gestaltete Website: auf Ihren Betrieb, Ihre Zielgruppe und Ihre Texte zugeschnitten. Höherer einmaliger Aufwand, dafür ein eigenständiger Auftritt und passgenaue Funktionen.
- Agentur mit größerem Team: tendenziell das obere Ende, oft mit mehr Prozess, mehr Ansprechpartnern — und mehr Overhead, der mitbezahlt wird.
Als Solo-Anbieter sitze ich bewusst im mittleren Bereich: individuell genug, dass es nach Ihnen und nicht nach Baukasten aussieht, aber ohne den Agentur-Aufschlag. Wichtiger als die exakte Zahl ist ohnehin, dass Sie verstehen, wofür Sie zahlen. Genau darum geht es im nächsten Abschnitt.
Was den Preis wirklich treibt
Zwei Websites können äußerlich ähnlich aussehen und trotzdem sehr unterschiedlich viel kosten. Diese Faktoren machen den Unterschied:
- Umfang: Eine einseitige Visitenkarte ist etwas anderes als eine Seite mit zehn Unterseiten, Leistungskatalog und Ratgeber-Bereich. Jede zusätzliche Seite ist Arbeit.
- Individualität: Fertige Vorlage oder von Grund auf gestaltet? Je maßgeschneiderter, desto mehr Zeit.
- Inhalte: Liefern Sie Texte und Bilder, oder sollen sie erstellt werden? Gute Gestaltung braucht ordentliches Material — das ist ein eigener Posten.
- Funktionen: Kontaktformular ist Standard. Terminbuchung, Mehrsprachigkeit, ein kleiner Shop oder ein KI-Telefonassistent für verpasste Anrufe kosten extra.
- Technik & Ladezeit: Eine saubere, schnelle Seite ist mehr Handarbeit als ein zugekleistertes Template. Warum das zählt, steht in meinem Beitrag zur Auffindbarkeit.
- Betreuung danach: Wer pflegt Updates, Backups, kleine Änderungen? Das ist eine laufende Leistung, keine Einmalzahlung — dazu gleich mehr.
So handhabe ich es: Ich mache vor jedem Angebot ein kurzes Gespräch und schaue mir Ihre Situation an, statt eine Pauschale in den Raum zu werfen. Danach bekommen Sie einen Festpreis mit klar aufgelisteten Positionen — Sie sollen vorher wissen, wofür Sie zahlen, und nicht hinterher überrascht werden. Als Solo-Webdesigner aus Burscheid im Bergischen Land arbeite ich mit Ärzten, Kanzleien, Maklern und Handwerk, also mit Betrieben, die genau kalkulieren müssen.
Einmalig oder laufend? Die Kosten hinter der Website
Ein häufiges Missverständnis: Die Website sei mit dem Erstellungspreis „erledigt". Ist sie nicht. Es gibt Posten, die dauerhaft anfallen — unabhängig davon, wer die Seite gebaut hat:
- Domain (Ihre Internetadresse) — jährliche Gebühr, meist überschaubar.
- Hosting — der Speicherplatz, auf dem die Seite liegt. Monatlich oder jährlich.
- Wartung & Updates — Sicherheit, Aktualität, kleine Anpassungen.
- Optional: Betreuung von Inhalten — wenn regelmäßig Neues dazukommt.
Achten Sie im Angebot darauf, dass diese Punkte benannt sind. Eine niedrige Erstellungssumme, die verschweigt, dass danach hohe Monatspauschalen fällig werden, ist am Ende nicht günstig. Umgekehrt kann eine faire monatliche Betreuung sinnvoll sein, wenn Sie sich um Technik gar nicht kümmern wollen. Beides ist legitim — Hauptsache, es steht transparent auf dem Papier.
Worauf Sie beim Angebot achten sollten
Damit Sie Angebote vergleichen können, ohne Fachchinesisch zu brauchen, hier meine ehrliche Checkliste:
- Ist der Leistungsumfang klar? Wie viele Seiten, welche Funktionen, wer liefert Texte und Bilder?
- Steht drin, wem die Seite gehört? Sie sollten Domain und Inhalte im Zweifel mitnehmen können — Sie wollen sich nicht einsperren lassen.
- Sind laufende Kosten getrennt ausgewiesen? Einmalig und monatlich sauber auseinandergehalten.
- Wie laufen spätere Änderungen? Kleine Korrekturen sollten kein Drama sein.
- Vorsicht bei Garantie-Versprechen: Niemand kann Ihnen einen festen Platz bei Google zusichern. Suchmaschinen entscheiden nach eigenen Kriterien. Wer „Platz 1 garantiert" verspricht, verspricht etwas, das er nicht halten kann. Realistische Grundlagen dazu stehen in Lokale SEO-Grundlagen.
- Passt der Anbieter zu Ihrer Branche? Eine Seite für eine Physiotherapie folgt anderen Regeln als eine für Anwälte oder Handwerk — im Gesundheitsbereich etwa dürfen Sie keine Heilversprechen machen, und Anwaltschaft wie andere Kammerberufe unterliegen berufsrechtlichen Grenzen bei der Werbung. Ein Anbieter, der das kennt, erspart Ihnen Ärger.
Ein kleiner Hinweis noch: Zu Pflichttexten wie Impressum und Datenschutz gebe ich keine Rechtsberatung. Im Zweifel klären Sie das mit einer Anwältin, einem Anwalt oder Ihrer Kammer.
Kurz zusammengefasst
Eine Website „erstellen lassen" hat keinen Einheitspreis — und das ist auch gut so, weil Ihr Bedarf individuell ist. Wichtiger als die eine magische Zahl ist, dass Sie verstehen, welche Faktoren den Preis treiben, dass laufende Kosten offen benannt sind und dass niemand Ihnen unrealistische Google-Versprechen macht. Wenn Sie unsicher sind, wo Ihre bestehende Seite steht, hilft mein kostenloser Website-Check als erste Einordnung. Und falls Ihre aktuelle Seite kaum Anfragen bringt, lohnt der Blick in Warum bringt meine Website keine Anfragen?.
